Schlossarten im Überblick

Von Stavros , Monteur bei OpenFast

Wer wissen will, wie sicher die eigene Tür ist, muss zuerst wissen, was überhaupt verbaut ist. Die meisten Menschen erkennen ihr Schloss nicht — dabei genügt ein Blick auf den Schlüssel, um die wichtigste Unterscheidung zu treffen. Dieser Überblick erklärt die gängigen Schlossarten in deutschen Wohnungen und Häusern, woran Sie sie erkennen und was das für Ihre Sicherheit bedeutet.

Der Profilzylinder — der Standard in Deutschland

Der Profilzylinder ist das mit Abstand häufigste Schloss in deutschen Haus- und Wohnungstüren. Sie erkennen ihn am flachen Schlüssel mit gezackter oder gewellter Kante und an der charakteristischen Form des Zylinders: von der Seite betrachtet sieht er aus wie eine Acht oder ein umgedrehtes Schlüsselloch. Der große Vorteil: Der Zylinder lässt sich mit einer einzigen Schraube tauschen, ohne die Tür zu beschädigen. Genau deshalb ist ein Zylindertausch nach einem Schlüsselverlust auch keine teure Angelegenheit.

  • Erkennungsmerkmal: flacher Schlüssel, Zylinder in Achtform
  • Tausch in unter 15 Minuten möglich, ohne Schäden an der Tür
  • Qualitätsunterschiede sind enorm — von 10 € bis über 150 €
  • Standardlänge muss zur Türstärke passen, sonst steht der Zylinder vor

Buntbartschloss — schön, aber ohne Schutzwirkung

Buntbartschlösser sind die klassischen Schlösser mit dem großen, geschwungenen Schlüssel, wie man sie aus Altbauten kennt. Optisch machen sie etwas her, sicherheitstechnisch sind sie praktisch wirkungslos: Die Zahl möglicher Schließvarianten ist so gering, dass Schlüssel oft in mehreren Wohnungen desselben Hauses passen. Für Zimmertüren ist das unproblematisch. Für eine Wohnungs- oder Haustür ist ein Buntbartschloss dagegen kein ernstzunehmender Schutz.

  • Typisch für Altbauten und Innentüren
  • Sehr geringe Zahl an Schließvarianten
  • Für uns der am schnellsten zu öffnende Schlosstyp überhaupt
  • An Außentüren sollte er gegen einen Profilzylinder getauscht werden

Mehrfachverriegelung — mehrere Punkte statt einem

Bei einer Mehrfachverriegelung greift das Schloss nicht nur an einer Stelle, sondern zusätzlich oben und unten im Rahmen — meist über Bolzen oder Haken. Sie erkennen sie daran, dass sich der Schlüssel beim Abschließen mehrere Umdrehungen drehen lässt und dabei spürbar mehr Widerstand entsteht. Moderne Haustüren haben fast immer eine Mehrfachverriegelung. Der Sicherheitsgewinn ist erheblich, weil die Tür nicht mehr an einem einzelnen Punkt aufgehebelt werden kann.

  • Verriegelt an drei bis fünf Punkten gleichzeitig
  • Deutlich höherer Aufhebelschutz als ein Einpunktschloss
  • Bei Notöffnungen zeitaufwendiger — das ist gewollt und gut so
  • Muss regelmäßig justiert werden, sonst wird der Schlüssel schwergängig

Einsteckschloss — das Gehäuse in der Tür

Das Einsteckschloss ist der Kasten, der im Türblatt sitzt und Falle und Riegel führt. Der Zylinder wird darin eingesetzt. Wenn sich eine Tür nicht mehr sauber schließen lässt, obwohl der Schlüssel dreht, liegt das Problem oft hier: Nach Jahrzehnten ist der Riegel ausgeschlagen oder die Falle klemmt. Ein Einsteckschloss zu tauschen ist Routine und in einer halben Stunde erledigt.

  • Sitzt unsichtbar im Türblatt
  • Häufigste Ursache, wenn die Tür nicht mehr richtig schließt
  • Der Abstand zwischen Zylinder und Klinke (Dornmaß) muss passen

Knaufzylinder — von innen ohne Schlüssel

Ein Knaufzylinder hat auf der Innenseite statt eines Schlüssellochs einen drehbaren Knauf. Das hat zwei Effekte: Von innen lässt sich die Tür ohne Schlüssel öffnen, was im Brandfall Leben retten kann und für Menschen mit eingeschränkter Handkraft eine spürbare Erleichterung ist. Von außen bleibt der Schutz unverändert. Wichtig zu wissen: Bei einem Knaufzylinder kann von innen niemand mehr durch einen steckenden Schlüssel aussperren.

  • Innen ohne Schlüssel bedienbar — Vorteil im Brandfall
  • Sinnvoll für ältere Menschen und bei eingeschränkter Handkraft
  • Nicht geeignet, wenn direkt neben der Tür ein Glaseinsatz sitzt

Häufige Fragen

Wie erkenne ich, welches Schloss ich habe?

Am schnellsten über den Schlüssel: Ein flacher Schlüssel mit Zacken oder Wellen bedeutet Profilzylinder. Ein großer, geschwungener Schlüssel bedeutet Buntbartschloss. Lässt sich der Schlüssel beim Abschließen mehrfach drehen und verriegelt dabei spürbar, haben Sie eine Mehrfachverriegelung.

Kann ich ein Buntbartschloss gegen einen Profilzylinder tauschen?

In der Regel ja, aber nicht durch bloßes Austauschen des Zylinders — es muss das gesamte Einsteckschloss gewechselt werden, weil die Ausschnitte im Türblatt unterschiedlich sind. Bei Mietwohnungen sollten Sie das vorher mit dem Vermieter klären.

Warum ist mein Schlüssel plötzlich schwergängig?

Meist liegt es nicht am Zylinder, sondern an der Tür: Sie hat sich über die Jahre gesetzt, sodass Falle und Riegel nicht mehr sauber im Schließblech laufen. Eine Justage am Schließblech behebt das und kostet einen Bruchteil eines neuen Schlosses.

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