Einbruchschutz für Wohnung und Haus

Von Nico , Monteur bei OpenFast

Die meisten Einbrüche sind keine Meisterleistungen. Sie gelingen, weil irgendwo eine offensichtliche Schwachstelle war — ein gekipptes Fenster, eine ungesicherte Terrassentür, ein Zylinder, der drei Zentimeter vorsteht. Dieser Beitrag beschreibt, wo tatsächlich angegriffen wird und welche Nachrüstung sich lohnt.

Wo Einbrecher wirklich ansetzen

Entgegen der Vorstellung vieler wird die Haustür seltener angegriffen als Fenster und Terrassentüren. Der Grund ist einfach: An der Rückseite des Hauses sieht niemand zu. Ein Fenster oder eine Terrassentür lässt sich mit einem Schraubendreher in Sekunden aufhebeln, wenn keine Pilzkopfverriegelung verbaut ist. Wer nur die Haustür aufrüstet, sichert die Stelle, an der ohnehin am seltensten eingebrochen wird.

  • Fenster und Terrassentüren im Erdgeschoss sind der häufigste Einstieg
  • Aufhebeln ist die mit Abstand häufigste Methode
  • Gekippte Fenster gelten als offene Fenster — auch für die Versicherung
  • Kellerfenster und Nebeneingänge werden regelmäßig vergessen

Die RC-Klassen nach DIN EN 1627

Die Widerstandsklassen — abgekürzt RC für „resistance class" — geben an, wie lange ein Bauteil einem Einbruchsversuch mit bestimmten Werkzeugen standhält. Für Privathaushalte ist RC 2 der von der Polizei empfohlene Standard: Er hält einem Angriff mit einfachem Werkzeug etwa drei Minuten stand. Das klingt wenig, ist aber entscheidend, denn die meisten Täter brechen nach zwei bis drei erfolglosen Minuten ab.

  • RC 1: Grundschutz gegen körperliche Gewalt, kein Werkzeugschutz
  • RC 2: ca. 3 Minuten gegen einfaches Werkzeug — Empfehlung für Wohnhäuser
  • RC 3: ca. 5 Minuten, für exponierte Lagen
  • Die meisten Täter geben nach 2 bis 3 Minuten auf

Sinnvolle Nachrüstung in der Reihenfolge ihrer Wirkung

Nicht alles muss auf einmal gemacht werden. Wenn Sie mit begrenztem Budget den größten Effekt erzielen wollen, gibt es eine sinnvolle Reihenfolge: Zuerst die Stellen sichern, die von außen nicht einsehbar sind. Danach die Haustür. Elektronische Technik wie Alarmanlagen ergibt erst Sinn, wenn die mechanische Sicherung steht — sonst meldet sie einen Einbruch, der bereits gelungen ist.

  • Pilzkopfverriegelungen an Fenstern und Terrassentüren der Rückseite
  • Abschließbare Fenstergriffe an gefährdeten Fenstern
  • Schutzbeschlag und Zylinder mit Aufbohr- und Ziehschutz an der Haustür
  • Querriegelschloss bei Wohnungstüren im Mehrfamilienhaus
  • Zuletzt: Beleuchtung, Anwesenheitssimulation, Alarmtechnik

Mechanik zuerst, Elektronik danach

Eine Alarmanlage verhindert keinen Einbruch, sie meldet ihn. Eine gute mechanische Sicherung verhindert ihn. Die polizeiliche Beratung folgt seit Jahrzehnten diesem Grundsatz, und unsere Erfahrung vor Ort bestätigt ihn: Türen und Fenster, die drei Minuten standhalten, werden in aller Regel gar nicht erst überwunden. Wir empfehlen deshalb immer zuerst die Mechanik.

Kostenlose Beratung durch die Polizei nutzen

Jede Polizeibehörde bietet eine kostenlose, herstellerneutrale Beratung zum Einbruchschutz an — auch im Ruhrgebiet. Wir empfehlen das ausdrücklich, obwohl wir davon nichts haben: Eine unabhängige Einschätzung schützt Sie davor, Technik zu kaufen, die Sie nicht brauchen. Für die Umsetzung sind wir dann gern da.

Häufige Fragen

Lohnt sich Einbruchschutz in einer Mietwohnung?

Ja, aber sprechen Sie vorher mit dem Vermieter. Viele Maßnahmen lassen sich rückstandsfrei zurückbauen. Ein Querriegelschloss oder ein besserer Zylinder sind auch in Mietwohnungen üblich und werden meist genehmigt.

Gibt es Förderung für Einbruchschutz?

Die KfW hat in der Vergangenheit Zuschüsse für einbruchhemmende Maßnahmen vergeben. Ob und in welcher Form das aktuell möglich ist, ändert sich immer wieder — prüfen Sie das vor Beauftragung direkt bei der KfW.

Was ist die wirksamste Einzelmaßnahme?

Pilzkopfverriegelungen an den Fenstern und Terrassentüren der Hausrückseite. Dort wird am häufigsten eingestiegen, und dort ist der Schutz bei den meisten Häusern am schwächsten.

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